Im Februar traf sich die Naturforscher-Kindergruppe des LBV zu einem interessanten Vortrag an der Technischen Hochschule Deggendorf mit dem ehemaligen Professor
Robert Geigenfeind. Er begeisterte mit Einblicken in die Mikrowelt.
Besonders spannend waren die nahen Ansichten von Insekten: Die Beißwerkzeuge einer Zecke, die unter dem Elektronenmikroskop zigfach vergrößert und viel
detaillierter zu sehen waren, erschreckten und erstaunten das Publikum. Aber auch Pollen, Blätter verschiedener Pflanzen, Bakterien, Blut, Koffein und Salz zeigten ihre Struktur.
Ein besonderes Highlight war die Vogelfeder, die er extra für die Kindergruppe präpariert hatte. Die Kinder konnten die Feder direkt am Elektronenmikroskop in
verschiedenen Größen betrachten und messen – eine spannende Erfahrung für alle, genauso wie der Blick ins Innere des Mikroskops mit all seinen Einzelheiten. Zwei der Kinder arbeiten selbst
zuhause mit ihrem Mikroskop.
Herr Geigenfeind erklärte, dass es mit Hilfe von Elektronenstrahlen auch möglich ist, die atomare Zusammensetzung der Materialien und biologische Proben zu
analysieren. Industriebetriebe setzen die Elektronenmikroskopie nicht nur für Forschung und Entwicklung, sondern auch für die Qualitätskontrolle z. B. zur Analyse von Schadstoffen und
Verunreinigungen in Produkten ein.
Jedes Jahr im Januar laden Wissenschaftlerinnen und Naturschützer zur „Stunde der Wintervögel“ ein. Diese Mitmachaktion ist eines der bekanntesten und erfolgreichsten Beispiele für Citizen
Science im deutschsprachigen Raum. Citizen Science bedeutet, dass Bürgerinnen und Bürger aktiv an Forschungsprojekten mitwirken, Daten sammeln, beobachten und so die Wissenschaft unterstützen.
Ziel der Wintervogel-Aktion des LBV (Landesbund für Vogelschutz) ist es, ein flächendeckendes Bild der Vogelbestände in Siedlungsräumen zu erhalten. Die gesammelten Ergebnisse helfen
Naturschützerinnen und Naturschützern dabei, langfristige Trends zu erforschen. In der diesjährigen Zählung stehen besonders zwei Phänomene im Fokus der Forschung. Zum eine bleiben durch die
zunehmend milden Winter in Mitteleuropa Winterflüchter wie der Hausrotschwanz oder der Zilpzalp immer häufiger hier, statt in den Süden zu ziehen. Die Daten der Bürger helfen zu verstehen, wie
schnell diese Anpassung erfolgt. Zum anderen analysieren Forscher auch, ob typische Waldvögel wie die Blaumeise aufgrund von Nahrungsmangel im Wald verstärkt die Gärten der Menschen aufsuchen.
Fünf Kinder der NAJU unterstützten die diesjährige Aktion. Eine Stunde lang beobachteten sie mit Gabi Eisenreich und ihrem Team Vögel am Deggendorfer Kollbach und dokumentierten sorgfältig auf
einem Zählbogen vielerlei Wasservögel, darunter ein Graureiher, zahlreiche Krähen, Meisen, Amseln, einen Buntspecht, einen Buchfink, eine Misteldrossel und sogar eine Schwanzmeise. Besonders
aufregend war die Begegnung mit einem Bussard, der von Rabenkrähen in einer wilden Jagd verscheucht wurde. Lustige Spiele, ein Quiz und eine spannende Geschichte rundete das Treffen ab.
Die „Stunde der Wintervögel“ machte den Beteiligten nicht nur großen Spaß, sondern zeigt auch, wie vielfältig und lebendig die Natur direkt vor unserer Haustür ist. Man muss auch kein Biologe
sein - bereits Kinder können durch Citizen Science einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz leisten.